Was man hier so liest, ist mal wieder typisch. Mein Gefühl sagt mir, dass das ach so große Update am Ende doch wieder nicht das bringt, worauf viele schon seit gefühlt einer Ewigkeit warten. Aber gut, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – vermutlich gemeinsam mit der Geduld der Volvo-Fahrer.
Drei Dinge finde ich tatsächlich richtig gut:
Favoriten in der Kontextleiste.
Endlich! Ich kann den Schalter für das Öffnen des Handschuhfachs wieder benutzen, ohne vorher eine kleine Schnitzeljagd durch die Menüs veranstalten zu müssen. Dafür tatsächlich mal ein herzliches Danke an Volvo. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die einen glücklich machen.
Plug & Charge.
Klingt erstmal super. Funktioniert aber offenbar nicht mit allen Fahrzeugen, sondern erst ab Modelljahr 2026.
Sorry, aber wie viele Fahrzeuge profitieren denn tatsächlich davon? Das ist ungefähr so, als würde man verkünden: „Wir haben das WLAN verbessert – leider funktioniert es nur bei den Autos, die wir ab nächstem Jahr bauen.“
Toll. Ein Feature, von dem ein großer Teil der aktuellen Kundschaft herzlich wenig hat. Hauptsache, es steht im Update-Prospekt. Schaumschlägerei kann schließlich auch digital stattfinden.
Vehicle-to-Load.
Endlich! Darauf hat die Menschheit gewartet.
Jetzt kann ich meine elektrischen Heimgeräte mitnehmen, irgendwo auf einem beliebigen Parkplatz mein Auto saugen und anschließend ein kühles Bier aus dem mitgebrachten Kühlschrank genießen.
Volvo hat nun somit die Möglichkeit einführt, mit dem Fahrzeug einen Campingplatz komplett autark zu versorgen. Dann fehlt eigentlich nur noch die Kaffeemaschine im Kofferraum.
Aber kommen wir zu den Dingen, bei denen man sich langsam fragt, ob die Jungs und Mädels aus der Softwareabteilung jemals selbst in diesem Auto gesessen haben – geschweige denn mal mehrere Stunden damit gefahren sind.
Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl.
Die angepasste Kontextleiste ist zum Beispiel der absolute Burner. Jetzt werden noch mehr Informationen auf dem Bildschirm dargestellt. Mehr Informationen. Auf einer ohnehin schon vollgepackten Oberfläche. Das nenne ich mal Übersichtlichkeit: Alles auf einer Seite. Am besten gleich noch Wetterbericht, Börsenkurse und die Speisekarte vom nächsten Restaurant daneben. Dann muss man wenigstens nicht mehr zwischen den Menüs wechseln.
Auch eine tolle Idee: Das Symbol für das Standlicht im Fahrerinfobereich wird jetzt in weiteren Situationen angezeigt. Offenbar war das bisher ein Problem von geradezu existenzieller Bedeutung. Ich frage mich allerdings, wie wir all die Jahre ohne diese Information überhaupt überlebt haben.
Dafür war ich ehrlich gesagt etwas erschrocken, als ich gelesen habe, dass sich nun im automatischen Beleuchtungsmodus bei eingeschaltetem Fahrzeug im Parkmodus bei schlechten Lichtverhältnissen die Positionsleuchten und die Kennzeichenbeleuchtung einschalten, ohne dass das Abblendlicht aktiviert wird.War das vorher nicht schon so? Oder haben wir hier gerade ein Problem gelöst, von dem bisher niemand wusste, dass es überhaupt existiert?
Aber mal ganz ehrlich, liebe Softwareabteilung:
Macht das mein Auto dadurch wirklich besser?
Warum konzentriert ihr euch ständig darauf, Dinge zu verändern, die eigentlich funktionieren? Ich will nicht bei jedem Update aufs Neue herausfinden müssen, was diesmal wieder anders ist.
Stellt euch vor, ihr geht in ein Sterne-Restaurant. Ihr entscheidet euch nach langer Überlegung für ein schönes Menü. Das Essen kommt, sieht fantastisch aus und schmeckt hervorragend.
Und während ihr gerade gemütlich esst, kommt der Kellner vorbei, nimmt euch ungefragt die Beilage vom Teller und sagt:
„Wir haben das Menü optimiert.“
Später kommt er wieder und stellt eine neue Beilage hin.
Ihr schaut ihn an und sagt: „Die wollte ich aber gar nicht.“
Darauf er: „Das verstehen Sie nur noch nicht. Das ist jetzt moderner.“
Später kommt besagter Kellner noch einmal vorbei, während ihr gerade genüsslich euer Dessert esst – und nimmt es euch einfach weg.
Ohne Erklärung. Ohne Entschuldigung. Einfach weg.
Ihr schaut ihn völlig verdutzt an und fragt: „Ähm … warum haben Sie gerade mein Dessert mitgenommen?“
Darauf er: „Wir haben das Konzept verbessert.“
Na?
Genau so fühlt sich mittlerweile manche Softwareänderung an. Ständig wird irgendetwas „verbessert“, „optimiert“ oder „angepasst“ – und am Ende fragt man sich, warum man eigentlich vorher so zufrieden war.
Kennt ihr den schönen Spruch: „Never change a running system.“
Wobei … was läuft bei euch eigentlich noch wirklich rund?
Vielleicht wäre es stattdessen langsam mal an der Zeit, Dinge einzubauen, die viele Nutzer tatsächlich vermissen.
Zum Beispiel einen richtigen Sparmodus, der auch wirklich etwas spart und nicht nur einen anderen Namen trägt. Einen Modus, in dem man beispielsweise die Leistung des Elektromotors sinnvoll begrenzen kann.
Oder baut endlich mal eine vernünftige Klimaautomatik.
Das, was ihr momentan Klimaautomatik nennt, ist für mich schlichtweg eine Katastrophe. Vielleicht sollte sich die Softwareabteilung einfach mal ein paar Stunden ins Auto setzen, die Klimaautomatik einschalten und anschließend versuchen, damit eine längere Fahrt zu überstehen.
Vielleicht kommt dann die Erleuchtung.
Es ist einfach schade, denn das Auto selbst ist wirklich wunderschön und macht grundsätzlich vieles richtig. Umso ärgerlicher ist es, dass einem die Freude daran durch die teilweise enttäuschende Qualität genommen wird – sei es bei der Hardware, aber insbesondere bei der Software.
Ich brauche keine Software, die mir bei jedem Update erklärt, dass mein Auto jetzt „noch smarter“ geworden ist.
Ich hätte einfach gerne ein Auto, das besser funktioniert als vorher.
Das wäre für mich tatsächlich mal ein richtig gutes Update.